The Delta Saints: «Viele Bandnamen klingen heute einfach schlecht»

The Delta Saints ist eine kreative Mischung aus Blues, Country und «The Black Keys»-Rock. Jung und unangepasst, produzieren die fünf Musiker aus Nashville Songs, die sich der dunklen Seite des Lebens widmen. Am Freitag, 16. August 2013 (ab 20:00 Uhr), treten The Delta Saints im Zürcher Plaza auf.

The Delta Saints. Foto: Roland Kämpfer

The Delta Saints. Foto: Roland Kämpfer

BluesReissue.ch sprach im Voraus mit Sänger und Gitarrist Ben Ringel über die Tour, über das neue Album «Death Letter Jubilee», das Unternehmen Kickstarter und über den untypischen “Dobro-Delta-Blues”.

Ben, es ist schön, dass du kurz Zeit hast für uns. Ihr tourt zurzeit in Schweden. Wie geht es euch?
Ben Ringel: Wir sind gerade in Malmö eingetroffen. Es geht uns gut! Wir haben den letzten Monat eher in Südeuropa verbracht, wo es sehr heiss war. Nun geniessen wir das wunderschöne Schweden. Wir sind sehr gespannt auf den weiteren Tourverlauf.

Wie läuft die bisherige «Death Letter Jubilee»-Tour?
Oh, sie ist wirklich verrückt – natürlich im positiven Sinne gemeint. Insgesamt spielen wir 41 Shows in acht Wochen… davon haben wir genau 2 Tage frei. Wir haben aber viel Spass, bereisen tolle Länder und können einige sehr coole Shows spielen, auch wenn wir oftmals nicht mehr als drei Stunden Schlaf haben. Das gehört dazu.

Ich habe gehört, dass ihr bald die 19. ausverkaufte Show der Tour spielen werden…
Das ist natürlich grossartig. Das klingt super!

Was ist deiner Meinung nach besonders an eurem neuen Album «Death Letter Jubilee»?
Als Band ist es für uns das erste Mal, dass wir eine ganze Story erzählen können. Die EPs sind zwar auch toll, aber etwas zu kurz. Bei EPs ist es ja oft so schwierig, eine ganze Story in sechs Songs zu erzählen. Mit «Death Letter Jubilee» konnten wir uns wirklich einmal hinsetzen und unsere Erlebnisse und Gedanken niederschreiben und aufnehmen.

Und das Album ist wirklich toll geworden…
Wir sind stolz darauf, dieses Album aufgenommen zu haben. Wenn du einen Song schreibst, diesen dann spielst und schliesslich noch aufnimmst, gibst du eine sehr persönliche Sache preis. Deshalb ist ein Album für einen Musiker auch sehr sehr intim. Du gibst dem Markt deine Songs frei, und dieser ist voll von Meinungen. Das ist manchmal wirklich beängstigend. Offensichtlich gefällt «Death Letter Jubilee» vielen Musikfans, was uns natürlich sehr freut.

Ben, kannst du uns eigentlich einmal erzählen, weshalb deine Band «The Delta Saints» heisst? Oder anders gefragt: Erzähl uns mal eure Story.
Ich finde es eigentlich traurig, dass ich nicht eine etwas spannendere Geschichte erzählen kann: Wir fingen im Oktober und November 2007 an, ein paar Songs zu schreiben. Einer davon ist «Steppin’», den wir noch heute gerne spielen. Wir schrieben ein paar weitere Songs, bis wir dann im April 2008 unsere erste Show spielten. Doch da war noch ein Problem: Da standen wir fünf Typen, hatten aber noch keinen Bandnamen. Wir konnten ja nicht ernsthaft Shows spielen ohne einen Namen zu haben. Einer von uns kam dann plötzlich auf die Idee «The Delta Saints». Viele Bandnamen klingen heute einfach schlecht… «Kings of Leon» oder «The Black Keys» sind wirklich geile Bandnamen – das wollten wir auch.

Sei ehrlich, was steckt hinter dem Wort «Saints»?
Wir sind ziemlich normale Typen, aber sicherlich nicht Heilige… (lacht)

BluesReissue.ch trifft Ben Ringel. Foto: Roland Kämpfer

BluesReissue.ch trifft Ben Ringel. Foto: Roland Kämpfer

Kommen wir zurück zu eurer Musik. Es ist ganz und gar nicht typisch, Bluesrock mit einer Dobro-Gitarre und einer Harmonica zu spielen. Da frage ich mich natürlich, wer dich oder die Band am meisten beeinflusst hat?
Einflüsse kommen natürlich von überall her. Zurzeit haben wir eine recht spannende Instrumentierung und spielen mit Keyboards und Organ, da unser Mundharmonika-Spieler krank in den USA bleiben und die Europatournee absagen musste.

Ich begann als Kind, den Delta-Blues zu spielen. Mein Dad machte mich auf die Musik von John Lee Hooker aufmerksam. Ich entdeckte dann rasch einmal den Rock’n’Roll à la Led Zeppelin und The Who, dann später als Teenager die Rolling Stones. Ich finde heute aber auch Singer/Songwritern wie John Prine oder Ray LaMontagne sehr interessant.

Das Blues-Ding bei uns kommt sicher von mir und Dylan. Wir bringen sehr viele Blues-Einflüsse in den Sound von The Delta Saints ein. Die restlichen Bandmitglieder hören viel Kommerz-Musik oder heutige Sachen; bis auf uns beide kommen alle aus ganz anderen Musikstilen. Unser Bassist ist zum Beispiel eher im Funk- und Soulgenre zuhause. Einflüsse aus verschiedenen Genres sind immer was Positives; so können wir Songs schreiben, uns an unterschiedlichen Genres bedienen und es dann nach The Delta Saints klingen lassen – das ist cool!

Euer Album «Death Letter Jubilee» ist durch das Crowdfunding-Unternehmen Kickstarter finanziert worden. Wie sind da deine Eindrücke?
Als Musiker hat man oft viele Ideen und kein Geld zur Verfügung; und da es ist toll, dass Fans dir via Kickstarter helfen können, um deine Ideen umzusetzen. Wir haben online via Kickstarter etwas mehr als 18’000 Dollar von Freunden und Musikfans erhalten. Ohne diesen Support wäre «Death Letter Jubilee» nicht realisiert worden. Kickstarter ist toll!

Ermöglicht ein solches Unternehmen der Band den Aufbau einer Fanbase?
Ja, das hat was. Die Leute, die uns unterstützten, haben nicht nur eine Band unterstützt, deren Musik sie mögen, sie konnten bei uns auch hautnah dabei sein und dabei zusehen, wie unsere Band sich entwickelt. Sie wurden so fast zu einem Part der Band; und das würde ich für meine Lieblingsband auch gerne tun.

Ich habe gelesen, dass es dir wichtig ist, lokale Bands zu unterstützen. Wieso ist das wichtig?
Heute – im Jahr 2013 – ist es das Wichtigste überhaupt! Man sollte unabhängige Bands unterstützen, weil sie der Herzschlag der Musikbranche sind. Zumindest hier in den Staaten ist es ungemein schwer, aus der Masse herauszukommen. Plattenlabels finden heute nicht mehr die talentiertesten, musikalisch besten Bands, weil ihre Formate – Stichtwort Castingshows – nicht wirklich taugen. Man sollte die Qualität nicht damit vergleichen, wie viel Geld mit dieser Musik eingenommen werden kann.

Dort draussen gibt es zahlreiche super Bands – wir kennen sie nur nicht. Es liegt an uns – dem durchschnittlichen Musikfan wie dir und mir -, damit wir etwas dagegen tun können. Wir wollen schliesslich qualitativ gute Musik, und ohne lokale Musiker wäre die Musikbranche ziemlich aufgeschmissen.

Was sind eigentlich deine Ziele für die nächsten fünf Jahre?
Bei uns in der Band strebt keiner nach Berühmtheit. Wir wollen schliesslich nicht werden wie Justin Bieber [lacht]. Die Bands, die wir am meisten lieben oder respektieren, haben dieselbe Einstellung. Wir wollen keine riesigen Deals, weil das auch gefährlich ist. Es ist uns wichtiger, als Band langsam zu wachsen und uns zuerst einmal zu etablieren. Das Ziel ist es, dass jede Tour wie besser und grösser wird – seien es mehr Zuschauer, mehr verkaufte Alben oder eine aufwendigere Tour.

Zum Schluss ein kleines Stelldichein, damit dich die Schweizer etwas besser kennenlernen: Wie möchtest du dich singen hören?

Ich möchte so klingen wie Otis Redding!

Wenn du nicht Dobro spielen würdest, würdest du welches Instrument spielen?

Ehrlich gesagt würde ich wohl ein Piano spielen, vermutlich ein Rhodes.

Ich liebe Bourbon, weil…

es eines meiner Lieblingssachen dieser Welt ist (lacht). Ich liebe alles daran.

Ich möchte mal zusammenarbeiten mit…

Das ist wirklich schwierig, ich würde mit so vielen Künstlern gerne zusammenarbeiten (überlegt)… aber am ehesten mit My Morning Jacket.

Du hast uns wirklich neugierig gemacht. Wir freuen uns sehr auf das Konzert in Zürich. Hast du deinen Fans in der Schweiz etwas zu sagen?
Wir waren noch nicht so oft in der Schweiz, spielten bei euch aber trotzdem bereits zwei Konzerte auf der letzten Tour, und ein paar weitere Gigs in vorangehenden Tourneen. Wir hoffen natürlich, dass wir weiterhin viele Konzerte spielen dürfen, denn die Schweiz hat auch wirklich was zu bieten. Wir durften hier bereits einige tolle und nette Leute kennenlernen. Wir freuen uns darauf und sind gespannt, was sich im Vergleich zum letzten Konzert in der Schweiz geändert hat.

Konzertbilder

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch