Jonny Lang: «Jede einzelne Silbe bedeutet mir heute viel»

Jonny Lang spielte am 06. Oktober 2013 im X-TRA Zürich ein beherztes Konzert – wir sprachen in Zürich mit dem amerikanischen Ausnahmemusiker über sein aktuelles Album und über den Verlauf seiner Karriere.

Jonny Lang. Foto: Roland Kämpfer

Nach nun sieben Jahren hast du mit “Fight For My Soul” ein neues Studioalbum veröffentlicht. Was hat sich beispielsweise seit “Lie To Me” verändert?

Jonny Lang: Grundsätzlich hat sich der Musikstil verändert. Ich bin heute an dem Punkt angelangt, an dem ich einen Song auch mal stehen lassen kann und ihm nicht noch zusätzlich einen Stempel aufdrücken muss. “Fight For My Soul” bedeutend mir wirklich viel, weil ich mit diesem Album endlich eine Richtung einschlagen kann, in welche ich schon lange Zeit gehen wollte.

Natürlich liebte ich es als Teenager auf der Bühne zu stehen und zu spielen – damals war es mir aber im Grunde genommen egal, welche Songs ich spielte oder sang. In der Retrospektive kann ich aber sagen, dass ich zu den Songs, die ich im Alter von 16 Jahren auf “Lie To Me” spielte, keinen Bezug hatte oder zumindest, dass ihr Inhalt mir heute nicht mehr viel bedeutet. Mit “Fight For My Soul” ist es anders: Jede einzelne Silbe bedeutet mir viel. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Fortschritt, den ich gemacht habe.

Welche thematischen Aspekte sind dir denn auf “Fight For My Soul” wichtig?

Es gibt viele verschiedene Ideen und Gedanken auf dem Album: Grundsätzlich geht es mir aber auf dem Album um die Menschlichkeit, die mir wirklich wichtig ist. Die Songs handeln oft von Beziehungen. “Fight For My Soul” verarbeitet meine Erfahrungen der letzten paar Jahre.

Du bist nicht nur für dein Gitarrenspiel bekannt, sondern auch für deine einzigartige Stimme. Wer beeinflusste dich eigentlich in gesanglicher Hinsicht?

Stevie Wonder und James Taylor. Sie sind aber nicht nur in stimmlichen Angelegenheiten meine Vorbilder, sondern generell in musikalischer Hinsicht.

Dein Album “Turn Around” beinhaltet Songs, die davon handeln, den Weg zu Gott zu finden. Kannst du mir eine kurze Episode erzählen, wie du beispielsweise den Song “Only A Man” geschrieben hast?

Ich brauche heute noch oft viel Zeit, um die Lyrics zu einem Song zu schreiben. Die Musik schreibt sich bei mir oft sehr schnell, die Lyrics hingegen sind für mich eine echte Herausforderung. “Only A Man” war einer der wenigen Songs, die ich in etwa 15 Minuten geschrieben habe. Die Idee dazu kam mir, als ich eines Tages zu Bett gehen wollte… es floss einfach. Ich nahm meine Gitarre und hatte den Text innerhalb kurzer Zeit auf Papier – was sich ziemlich komisch anfühlte. “Only A Man” bedeutet mir viel und er zeigt schlichtweg meine Dankbarkeit, dass ich zu Gott gefunden habe.

Patrice Althaus im Interview mit Jonny Lang. Foto: Roland Kämpfer

Patrice Althaus im Interview mit Jonny Lang. Foto: Roland Kämpfer

Ich habe das Gefühl, dass du auch viele Songs schreibst, die über das Glücklichsein oder das Streben nach Glück erzählen. Kann man das so sehen?

Da liegst du gewissermassen richtig. Ich komme relativ leicht aus der Balance. Daher kann ich mich sehr glücklich schätzen, dass ich meine Standfestigkeit im Leben gefunden habe. Ich bin bereits einige Male die falschen Wege gegangen, die ich dann zum Glück mit der Hilfe meiner Familie und meinem Umfeld in den letzten Jahren anders ausgestalten konnte.

Du bist nun 32 Jahre alt, aber bereits seit vielen Jahren im Musikbusiness. Gab es da schon mal Augenblicke, an denen du dir gewünscht hast, nicht Musiker zu sein?

Ja, das gibt es in der Tat immer wieder. Natürlich liegt es nicht am Musik machen an und für sich – ich liebe es, auf der Bühne zu stehen oder im Studio zu sein. Es sind die kleinen Dinge, die während einer Tour oft Stress verursachen. Vor allem aber fehlt mir meine Familie – und nichts ist schlimmer, als wenn ich meine Kinder nicht sehen kann.

Du hast bereits mit vielen grossen Künstlern zusammengespielt in deiner Karriere als Musiker. Gibt es da noch so was wie ein Traum, mit wem du einmal die Bühne teilen möchtest?

Da muss ich leider nochmals ähnlich antworten: James Taylor oder Stevie Wonder. Ich liebe die beiden! (lacht) Wenn ich nur mit einem der Beiden einen Song schreiben könnte – das wäre einfach nur genial.

Zum Abschluss des Interviews: Ich habe mich immer auch gefragt, wie es sein muss, als “Wunderkind des Blues” dargestellt zu werden. Wie reagierst du darauf?

Daran denke ich nicht mehr so oft – es hat damals durchaus viel Spass gemacht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es wird wohl nie eine Rolle spielen, wie alt ich nun bin, ich höre es immer wieder: Bist du eigentlich noch immer 16 Jahre alt? Das verbinden halt einfach die Leute mit dem Namen Jonny Lang… mit dem komme ich heute klar – und ich nehme es auch niemandem übel.