Layla Zoe: «Ich bin geboren, um Musik zu machen»

Sie ist eine der Entdeckungen im Blues-Genre der letzten Jahre: Unter der Obhut von Musiker und Produzent Henrik Freischlader, veröffentlichte die kanadische Sängerin Layla Zoe zuerst „Sleep Little Girl“ und war nun auch mit ihrem neusten Album „The Lily“ auf Tour. Am Wochenende spielte sie in der Mühle Hunziken in Rubigen.

Layla Zoe in der Mühle Hunziken. Foto: Roland Kämpfer

Layla Zoe in der Mühle Hunziken. Foto: Roland Kämpfer

Mit ihrem neuen Album “The Lily” im Gepäck war Layla Zoe, Kanadas «Darling of the Blues», kürzlich für drei Konzerte in der Schweiz – wir trafen die Sängerin in der Mühle Hunziken für ein Interview.

Ich war bereits an einem Konzert deiner „THE LILY“- Tour 2013 dabei. Wie mir aufgefallen ist, singst du auch Gospel – eine sehr emotionale Sache. Was benötigt eigentlich eine Sängerin, um ihr Publikum zu berühren?

Layla Zoe: Ich gehe bewusst nicht mit der Einstellung auf die Bühne, um jemandem zu gefallen. Ich liebe es einfach zu singen und gebe auch zu jeder Zeit mein Bestes. Es ist aber umso schöner, wenn ich mit meiner Musik jemanden zu berühren vermag. Ich mache Musik aber in erster Linie für mich.

Ist die Gospelmusik denn eine grosse Liebe von dir?

Ich singe erst seit kurzer Zeit Gospelsongs in meinen Shows. Gospel singe ich zwar bereits seit ich ein Kind bin, weil mein Vater mir diese Musik früh nahelegte. Meine richtige Liebe gilt aber dem Blues und der Psychedelic-Music der 60er und 70er Jahre. In meinen Teenagerjahren hörte ich oft Santana, Bob Dylan, Janis Joplin und viele andere Singer/Songwriter.

Trotzdem veröffentlichst du via Facebook jeden Sonntag die “Sunday Gospel Series”- Videos…

Ja, ich habe dieses Jahr damit angefangen. Ich hatte Anfang Jahr eine Rückenoperation, die mich schon sehr verändert hat. Ich bin dankbarer geworden, weil ich durch sie nun auch wieder richtig laufen kann. Während dieser Zeit orientierte ich mich stärker an spirituellen Werten.

Mit den Gospels kann ich ausdrücken, wie ich mich fühle – jeden Sonntag versuche ich damit meine Wunden zu heilen. Die Leute mögen die Videos und es ist wirklich toll, dass sie gut ankommen. In erster Linie singe ich diese Gospels zwar für mich – jedoch macht es aber natürlich auch viel Freude, wenn man die Leute damit berühren kann.

Das ist wirklich spannend. Sag mal, welche Philosophie verfolgst du mit der Musik?

Nun, ich glaube, dass ich geboren wurde, um Musik zu machen. Ich weiss nicht genau, worauf du mit deiner Frage heraus willst… aber auf jeden Fall will ich auf der Bühne jeden Abend mehr als 100 Prozent geben können. Meine Philosophie ist es, alles für die Musik zu geben – und sie gibt mir schliesslich auch viel zurück.

Bist du auf einen besonderen Moment in deiner Karriere richtig stolz?

Dass ich mit Jeff Healey auf der Bühne sein konnte. Bis zum heutigen Tag hatte ich bereits viele besondere Momente auf und neben der Bühne, doch die Elektrizität eines Jeff Healey’s konnten alle im Raum spüren… das war wirklich ein Erlebnis! Er hat mir einige Komplimente gemacht, die mich sehr berührten. Jeff Healey hatte bis zu seinem Tod mit so vielen tollen Musikern zusammengearbeitet – das war wirklich eine Ehre für mich. Aber auch die Zeit auf und neben der Bühne mit Henrik Freischlader ist einfach grossartig, insbesondere jetzt auch bei “The Lily”.

Du hast dich Cable Car Records angeschlossen, dem Label von Henrik Freischlader. Kann es möglicherweise sogar sein, dass es eine “alte” Layla gibt und eine Neue?

Ja und nein. Klar verändern wir uns ständig, denn als Künstler sollten wir auch Fortschritte verzeichnen können. Ich möchte schliesslich auch nicht immer dieselben alten Songs spielen. Viele machen dies zwar richtig gut, aber für mich ist “besser werden” schliesslich einfach mit Veränderung verbunden. Klar gibt es in diesem Fall auch eine “neue” Layla, weil ich ja, wie bereits erwähnt, eine Rückenoperation hatte. Das hat natürlich in privater Sichtweise viel verändert. Als Künstler habe ich mich ebenfalls weiterentwickelt – meine Stimme hat mehr Substanz bekommen, meine Shows sind reifer geworden. Das ist ja aber eigentlich auch ein normaler Prozess über den ich meistens gar nicht nachdenke…

Henrik und du gebt wirklich ein Dreamteam ab. Nach “Sleep Little Girl” habt ihr nun “The Lily” herausgebracht. Ihr stosst damit zurzeit auf viel Resonanz. Wie ist es mit Henrik zu arbeiten?

Zu Beginn hat die Distanz zwischen Kanada und Deutschland eine Zusammenarbeit etwas schwierig gemacht hat. Als wir dann aber im Studio sassen, war es wirklich von Beginn weg harmonisch. Wir haben dieselben Einflüsse und einen ähnlichen Musikgeschmack – beispielsweise wusste ich anfangs gar nicht, dass Henrik die Musik von Peter Green mag. Diese gleichen Interessen machen es natürlich sehr viel einfacher, wenn Henrik meine Musik produziert: Ich habe grossen Respekt vor ihm, und er auch vor mir. Das macht die Zusammenarbeit einfach und vor allem auch effektiv.

Dein Album “The Lily” ist sehr emotional – welche Nachricht willst du uns mit dem Album weitergeben?

Der Song „The Lily“ versucht zu schildern, was ich meiner Familie, meinen Freunden, meinen Fans und dem Umfeld sagen würde, wenn ich morgen sterben würde. Ich habe den Titeltrack “The Lily” aus der Sichtweise einer Sterbenden geschrieben. Ursprünglich wollte ich das Album gar nicht so benennen, aber es schien plötzlich perfekt. Es ist der intimste, stärkste Song auf dem Album. Meine Wiedergeburt, nach der Operation zu Beginn dieses Jahres, hat mich stärker denn je ans Leben gebunden – hätte ich das Album vor meiner Operation aufgenommen, hätte es vermutlich anders geheißen. “The Lily” ist also auch als Metapher für die Wiedergeburt zu verstehen.

Du hast in verschiedenen Gegenden in Kanada gewohnt. Gibt es da einen speziellen Ort, den du uns empfehlen kannst?

Mein Lieblingsort in Kanada liegt an der Westküste in British Columbia, wo ich auch geboren bin. Dort gibt es einen Ort mit dem Namen Tofino, bei welchem sich ganz in der Nähe der Long Beach befindet. Das ist ein wunderschöner Ort – wenn ich auf “The Lily” auf die Wälder, Bäume, den Ozean, den Mond oder die frische Brise anspiele, dann spreche ich vorwiegend von der Westcoast Kanadas. Einen Teil des Materials habe ich geschrieben, als ich bei meiner Mutter war. Es ist wirklich eine ganz besondere Gegend – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

Was unterscheidet eigentlich deine beiden letzten Alben “Sleep Little Girl” und “The Lily” voneinander?

“The Lily” handelt kurz gesagt davon, wie ich jetzt fühle. “Sleep Little Girl” zeigte, was Ende 2010 war. Der grösste Unterschied vom einen zum nächsten Album ist derjenige, dass ich bei “Sleep Little Girl” nur sehr wenig Zeit hatte für die Aufnahmen. Ich kam nach Deutschland und war nur für ganz kurze Zeit dort. Wegen unseren Terminkalendern war es für Henrik und mich nicht möglich, im Studio viel mit meiner Stimme zu proben. Es ist mir sehr wichtig, dass wir verschiedene Dinge testen können, damit mein Gesang zum Song passt. Bei den Aufnahmen zu “The Lily” hatten wir viel mehr Zeit und konnten gesanglich betrachtet viel mehr aus den Songs herausholen. Deshalb erscheint mir das Album in sich stimmiger. Grundsätzlich haben wir uns aber schlichtweg verbessert.

Du hast vorhin von Kanada und Europa gesprochen und der verbundenen Schwierigkeiten mit der Kommunikation, die du noch vor der Zusammenarbeit mit Henrik hattest. Wie nimmst du die Situation in Kanada, wie im europäischen Raum wahr?

Grundsätzlich kommen bei mir die Fans an die Konzerte, weil diese ehrlich und direkt sind. Hier in Europa gibt’s aber mehr Möglichkeiten, Konzerte zu spielen. Viele Blues-Bars in Kanada wurden geschlossen, zudem ist nur noch eine kleine Szene vorhanden. Dies mag unterschiedliche Gründe haben, die ich hier nicht nennen kann.

Als Kanadier ist man in Europa sicher auch ein bisschen ein Exot. Ich liebe es hier zu sein, weil man schnell von Land zu Land kommt und sehr viele Konzerte spielen kann. Hier sind die Distanzen viel kürzer als etwa in Kanada. Es gibt zahlreiche Vorteile, als Musiker in Europa unterwegs zu sein. Wir suchen immer nach neuen Regionen – so spielten wir beispielsweise letztlich in Polen und in Tschechien. Ich möchte einfach meine Musik so vielen Leuten wie möglich zugänglich machen und an vielen verschiedenen Orten auftreten können…

Danke für das Interview. Zum Schluss möchte ich dich noch fragen, welche Wünsche und Ziele du für die Zukunft hast.

Als Künstler lebe ich von Tag zu Tag. Ich denke, das ist für unseresgleichen ziemlich normal. Natürlich wäre es toll, wenn ich mit der Zeit vor immer mehr Publikum und in grösseren Locations spielen könnte. Je mehr ich daran glaube, desto näher wird schliesslich auch mein Ziel rücken… Andererseits soll man seine Zukunft auch nicht zu sehr verplanen; mir ist es wichtig, im Moment zu leben. Dies zu tun, ist für mich der beste Weg durch das Leben. Denn, je mehr Pläne wir für die Zukunft haben, desto weniger leben wir im Moment!

Konzertbilder

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch