„Tales From The Skeleton Coast”: Fusion-Feuerwerk in der Mühle Hunziken

Rubigen.  Billy Cobham – weltbekannt als einer der grössten Fusion- und Jazz-Rock-Schlagzeuger aller Zeiten. Der mittlerweile 70-jährige Schlagzeug-Virtuose hat sein Debütalbum „Spectrum“ 1973 veröffentlicht – ein Meilenstein, der ein bedeutendes Stück Musikgeschichte geschrieben hat. Darauf folgten zahlreiche wegweisende Platten sowie Projekte mit James Brown, Miles Davis, Carlos Santana, Herbie Hancock, Georg Benson – um nur einige zu nennen. Allerdings gehört Cobham auch zu den Drummern, die sich nicht vor Genregrenzen fürchteten und durch diese Entdeckerfreude den Horizont so mancher Musiker öffneten. Mit seiner letztjährigen Tour zelebrierte er das 40-jährige Jubiläum seiner ersten Soloplatte. Ein Jahr später ist es Zeit für seine “70th Birthday Celebration Tour 2014″.

Billy Cobham in der Mühle Hunziken. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Billy Cobham in der Mühle Hunziken. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Letzten Mittwoch gab Billy Cobham in der Mühle Hunziken in Rubigen ein Konzert der Extraklasse. Mit dem französischen Gitarristen Jean-Marie Ecay, Michael Mondesir am fünfsaitigen Bass, Junior Gill an der Steel Pan, der Französin Camelia Ben Naceur am Keyboard sowie Christophe Cravero, der neben dem Keyboard auch zur Geige griff, war höchstes technisches Niveau sowie ein ineinanderfliessendes Zusammenspiel garantiert. Das wussten viele Musikkenner und –liebhaber zu schätzen: Die Mühle Hunziken war gut besucht.

Spontan geht es mit „Wild Pomegranates“ los, ein Stück aus seinem neusten Album „Tales From The Skeleton Coast“, das im Januar 2014 erschienen ist und nun offensichtlich präsentiert werden will: Fast ausschliesslich neue Kompositionen finden sich im Programm. Cobhams panamaische Wurzeln sind nicht zu überhören. Schliesslich wird doch ein Klassiker performt: eine „updated version“ von „Red Baron“. Komplexe Kompositionen, eine einzigartige Mischung aus Fusion, Funk, Latin und Jazz. Stets begleitet von einem karibischen Feeling, das vor allem durch die Steel Pan von Junior Gill unterstrichen wird.

„Dankeschön – thank you!“, ertönt es sodann aus Cobhams Mund. Sein Gesicht strahlt. Nun stellt er seine hochrangig besetzte Band vor. Jubel der Anerkennung seitens des Publikums. Seit 25 Jahren sei er nicht mehr in der Mühle Hunziken gewesen – schön, sei sie wieder bemalt worden. Danach ein ausgelassener Lacher: Billy Cobham, vor sich ein riesiges Drumset, ein Stirnband um den Kopf gewickelt, ist gut gelaunt. Nicht nur er: Bereits beim Soundcheck war die gelassene Atmosphäre unter den Musikern zu spüren.

Sodann geben die sechs begnadeten Musiker „Insel Inside“ zum Besten – ebenfalls ein Stück aus dem neusten Album. Nach einem aufrüttelnden Break folgt “Cancun Market” aus dem 2010 veröffentlichten Album “Palindrome”. Die Improvisationsfreude scheint keine Grenzen zu kennen. Der Brite Michael Mondesir zeigt seine Künste mit groovigen Basssoli, stets ein Lächeln auf den Lippen, begleitet vom Synthesizer von Camelia Ben Naceur. Die Freude der Band ist überaus ansteckend: Da steckt Leidenschaft drin. Das erste Set ist bald zu Ende. „Es hat noch einiges an Bier vorrätig“, so kündigt Cobham das Ende des ersten Sets und den entsprechenden Beginn der Pause an.

Zwanzig Minuten später beschreitet Cobham erneut die Bühne und fängt an, ein ausgiebiges, etwa viertelstündiges Drumsolo zu spielen. Ein angemessener Start für das zweite Set, wie ich meine: Die Drum-Power ist fühlbar. Von der tadellosen Spieltechnik abgesehen spielt Billy Cobham gefühlsbetont und emotional. Er demonstriert nicht. Er erzählt eine Geschichte. Eine spannende Geschichte, die den Zuhörer fesselt. Verschiedene Elemente sind darin integriert: Plötzlich ist ein Herzschlag zu hören. Geräusche, die an den Urwald erinnern. Ein richtiges Auf und Ab der Klangwelt. Dynamik und Spannung sind Hauptbestandteile seiner Soli. Er versteht es, mit gezieltem und sparsamem Einsatz eine faszinierende Atmosphäre zu erschaffen, um das Publikum im nächsten Moment mit explosiver Power erneut mitzureissen.

Beim Stück „Behold! The Coast Of Lost Ships” kommt die Vielschichtigkeit und Kreativität des Gitarristen Jean-Marie Ecay besonders zum Vorschein. Eingeleitet wird das Stück unter gezieltem Gebrauch von Delayeffekten, Volumenpoti und vom Tremolo seiner schwarzen, mit rotem Pickguard bedeckten Yamaha Pacifica. Dies vermischt mit feinstem Fingerpicking, einigen gekonnten Pinch Harmonic-Einsätzen und einem ausserordentlichen Sinn für Präzision: Eine unglaubliche Spannung und zugleich mystische Atmosphäre wird aufgebaut.

Als Zugabe spielen die sechs experimentiellen Musiker wie von mir erhofft und zugleich erwartet den Klassiker „Stratus“ – allerdings kaum zu vergleichen mit der „Spectrum“-Version aus dem Jahre 1973. Was unter Beachtung der aktuellen Bandbesetzung durchaus Sinn macht. Hier nimmt Christophe Cravero erneut seine Geige zur Hand und höre da – eine „Stratus“-Version mit sehr gewagtem, nicht minder gekonntem Geigensolo. Stets abwechselnd mit den hochexperimentiellen Tönen von Jean-Marie Ecays Pacifica, welche sich nahezu täuschend ähnlich anhören. Vermischt mit Gills Steel-Pan, den starken Bassläufen Mondesirs und Ben Naceurs E-Piano, geführt durch den Meister Cobham: Ein Fusion-Feuerwerk ist entbrannt. Diese Version, vor allem das abstrakte Spiel Ecays erinnert nun sehr an die niederländische Progressive Rock-Band Focus. Zehn Minuten nach dem Auftritt ist Billy Cobham bereits unter den Leuten, seine Frau Faina mit dabei, unterhält sich mit den Konzertbesuchern und verteilt Autogramme. Ein sehr glückseliger Abend neigt sich dem Ende zu.

Billy Cobham spielt das nächste Mal am 22. Mai in Basel, sowie einen Tag später, am 23. Mai, in Schaffhausen, bevor er in Europa weitertourt. Neben seinen eigenen musikalischen Projekten ist es Billy Cobham auch wichtig, anderen Musikern auf ihrem Weg zu helfen. Daher führt er Anfang August dieses Jahres einen speziellen Workshop namens “Billy Cobham’s Art Of The Rhythm Section Retreat” in Bechyně, Tschechien durch. Im September 2014 führt er seine Tour in New York fort.

70 Jahre alt und bekannt als lebende Legende – und dennoch hat Billy Cobham seinen Spirit nicht verloren. Dieser Mann spielt mit Charakter, Ausdruck und Leidenschaft.

 

Weiterführend:
www.billycobham.com

Konzertbilder

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch

 

 


After starting out at the high school level, she has spent the past 13 years in elementary do my essays for me education in the district, and the past nine at wood acres elementary school as a special education resource teacher