Joe Satriani im Interview: «All these moments will be lost in time like tears in the rain»

Joe Satriani – ein sehr bedeutender Name unter den weltbekanntesten Gitarristen. Der 58-jährige New Yorker hat viele beachtliche Erfolge zu verbuchen und schon zahlreichen Gitarristen auf ihrem «Way to the Top» geholfen. Sein schnelles und präzises Legatospiel, seine ausgezeichnete Tapping-Technik und das Spiel mit verschiedenen tonalen Modi sind nur einige Markenzeichen seiner melodiösen Gitarrenkünste. Nachdem er letztes Jahr sein vierzehntes Studioalbum «Unstoppable Momentum» veröffentlicht hat, ist er dieses Jahr auf seiner «World Tour 2014».

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Letzten Samstag trat Joe Satriani als Schluss-Act des blues’n’jazz Rapperswil-Jona auf und elektrisierte seine Fans mit einer grandiosen Darbietung. Zusammen mit Mike Keneally, Bryan Beller und Marco Minnemann überzeugte er mit energiegeladenem Fusion-Rock – ein meisterhafter Auftritt, der durch die Nähe zum Publikum und durch seine charismatische und sehr menschliche Ausstrahlung noch angehoben wurde. Guitar-Battles mit Mike Keneally, spektakuläre Drum-Soli von Marco Minnemann, virtuose Einlagen der topmotivierten und aufgestellten Musiker: Die Satriani-Anhängerschaft hat’s gefreut.

Vor seinem Konzert hat sich Joe mit BluesReissue.ch zu einem Interview getroffen und rund eine halbe Stunde unter anderem über seine aktuellen Projekte, über seine Zukunft mit der Supergroup Chickenfoot sowie über seinen Signature-Amp Marshall JVM410HJS gesprochen. Darüber hinaus gab er seine Meinung zu Aliens und Handyhüllen preis und erklärte, wodurch er sich für Album- und Songtitel inspirieren lässt.

Joe, du tourst neben Mike Keneally im Moment mit Bryan Beller und Marco Minnemann. Wie bist du auf sie aufmerksam geworden?

Joe Satriani: Oh, da steckt eine richtige Geschichte dahinter. Ich kannte Bryan, weil er mit Steve Vai zusammenspielte. Sie spielten eine Show zusammen, vor einigen Jahren, und Steve hat ihn mir mehrmals für verschiedene Projekte empfohlen… was aber nie so geklappt hat. Was Marco angeht: Er war mir schon damals als sehr bemerkenswerter Drummer bekannt. Vor einigen Jahren auf einer Tour schaute sich mein damaliger Drummer Marcos DVDs an. Es kam dann alles bei der Aufnahme meines letzten Albums «Unstoppable Momentum» zusammen: Mike Keneally war da Keyboarder, und ich erwähnte ihm gegenüber, dass mein Studio-Drummer Vinnie Colaiuta nicht für die Tour verfügbar sein würde. Vinnie musste zurück zu Sting und der Bassist Chris Chaney war ein Mitglied von Jane’s Addiction. Mike erwähnte dann, dass seine zwei «Buddies» Bryan und Marco verfügbar seien. Wir müssten nur mit den Aristocrats arbeiten, betreffend Pläne und Organisation. Ich war sehr aufgeregt – ich meine, das war das ideale Projekt für sie: Die Musik von meinem neuen Album ist etwas fortgeschrittener als die meiner vorherigen Alben, und ich dachte, dieses Projekt sei vermutlich perfekt für die beiden. Die drei hatten zusammen bei Dethklok und in der Keneally-Band, in der Minnemann-Band und in Bryan Bellers Solo-Projekten gespielt, hatten also schon eine lange Geschichte zusammen erlebt… das war natürlich ideal für mich.

Das hat sich tatsächlich sehr gut ergeben. Mir waren Minnemann und Beller von den Aristocrats bekannt. Wie stehst du zu Guthrie Govan?

Ich bin ein riesengrosser Fan von seinem ersten Album «Erotic Cakes», die Leute sollten mehr von Guthrie hören. Ein fantastischer Musiker, grossartiger Typ, und überhaupt liebe ich die Aristocrats. Ich hoffe, sie können so weitermachen.

Ich denke, Guthrie und du würdet ein einzigartiges Duo abgeben. Hast du mal an eine Zusammenarbeit mit ihm gedacht, vielleicht auch in einer deiner G3-Formationen?

Ja, klar, wir haben sogar darüber gesprochen. Der allerschwierigste Teil von G3 ist allerdings, alle Terminpläne aneinander anzupassen. Jeder plant voraus, 9 Monate, 3 Jahre… da ist es wirklich schwer, Leute für etwas einzusetzen, das wir selber noch nicht fest geplant haben. Das ist so der Schlüsselpunkt.

Wenn du auf all deine G3-Projekte zurückblickst: Mit welchen Gitarristen hattest du die speziellste, vielleicht auch die inspirierendste Zeit?

Oh, die waren alle inspirierend. Die Magie der G3 rührt daher, dass es so aussergewöhnlich ist, drei Gitarristen nebeneinanderstehend spielen zu hören, miteinander improvisierend. Als ich jeweils die anderen zwei Spieler wechselte, brachte ich in erster Linie neues Pulver, neues Leben rein. Robert Fripp, John Petrucci, Kenny Wayne Shepherd, Yngwie Malmsteen… das sind alles sehr unterschiedliche Spieler. Wir schauen jeweils, dass wir jemand Neues, Interessantes dazu ziehen können.

Im August wirst du ja das erste Mal mit der G4-Experience auftreten, mit Paul Gilbert, Andy Timmons und Mike Keneally.

Genau, das ist allerdings nicht direkt eine Erweiterung der G3. Die G4-Experience ist eine viertägige «Camp-Experience», die eher etwas wie eine «Sprechstunde» darstellen wird, in der Paul Gilbert, Andy Timmons, Mike Keneally und ich jeden Tag Unterricht geben werden. Wir werden da improvisieren und mit den Leuten jammen, die kommen werden. Es ist allerdings bereits ausverkauft. Am Ende der Woche wird es aber ein G4-Konzert geben, wo alle vier Gitarristen zusammen spielen werden.

Weisst du schon, wie es mit Chickenfoot weitergeht?

Ich hatte gerade vor ein paar Wochen eine Show mit Sammy Hagar und James Hetfield, Billie Joe Armstrong, in San Francisco. So hatten Sammy und ich die Chance, mal ernsthaft über unsere Zukunft zu sprechen, und darüber, in welche Richtung wir mit unserem nächsten Album wollen. Und gerade vor zwei, drei Wochen sah ich Chad Smith in New York City, der unsere Show besuchte. Er möchte definitiv bei dem Album dabei sein. Und ich denke, gerade jetzt ist die Zeit, in der wir uns fragen müssen: Wie, wo, wann wird alles stattfinden? Nun, ziemlich sicher werden wir das Album in San Francisco aufnehmen, und höchstwahrscheinlich werden wir Anfang nächstes Jahr mit der Aufnahme beginnen. Wir haben schon viele Songs geschrieben, viel Material. Nun hoffe ich, dass es langsam Struktur annehmen wird.

Wo liegen die grössten Schwierigkeiten, in einer Supergroup wie Chickenfoot zu spielen?

Die Terminplanung ist sehr hart. Sammy ist sehr beschäftigt, sowie Chad, der sehr viel mit den Red Hot Chili Peppers zu tun hat. Ja, das ist die grösste Schwierigkeit. Michael Anthony ist fast immer verfügbar. Das ist das Einzige, worauf wir uns immer verlassen können. Das schätze ich wirklich sehr.

Am Anfang von unserem Gespräch hast du die Studiozeit von «Unstoppable Momentum» erwähnt. Was bedeutet der Name des Albums? Ist es eine Art Statement?

Nun, das ist schwierig zu erklären. Ich versuchte, einen anderen Titel zu entwickeln, konnte aber kein anderes Wort finden, das auf bessere Art und Weise meine Gefühle bezüglich meiner musikalischen Entwicklung erklärte. Meine Liebe zur Musik, mein Enthusiasmus für alles, das mit dem Gitarrenspielen zu tun hat.. Melodien, Harmonien, Rhythmen. Ich hatte da einmal einen wirklich aussergewöhnlicher Moment, an einem Nachmittag, als mir der Gedanke kam: Wow, jetzt bin ich wirklich erwachsen, spiele Gitarre, seit ich 15 bin, spielte davor Drums und bin heute noch immer verrückt nach Musik… Also, was ist das? Es ist dieser Moment, dieser Impuls, den ich seit meiner Kindheit, seit meiner Jugend, oder schon immer gehabt habe. Dieser Moment scheint mir unaufhaltbar. Die Akkorde sprudelten einfach aus meinen Fingern, als ich an diesen Moment dachte. So ist der Name entstanden.

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Ist es bei deinen Song-Titeln ähnlich? Wie bist du zum Beispiel auf «Tears In The Rain» gekommen? Ist zwar schon einige Jahre her…

Oh, ja genau… Dieser Titel kam zu Stande, indem ich einen Satz in einer Science Fiction-Filmszene ein wenig kürzte. Kennst du den Film «Blade Runner»? Mit einem Schauspieler von Star Wars, ich weiss seinen Namen nicht mehr… Es ist ein niederländischer Schauspieler, der im Film einen Androiden spielt. Die Gesellschaft zwang diese Androiden, die dreckige Arbeit zu erledigen. Es hatte da sehr entfernte Planeten, wo es keinen Sauerstoff gab, wo es eiskalt war und so weiter… Die Original-Geschichte heisst «Träumen Androiden von elektrischen Schafen?», geschrieben von Philip K. Dick, einem berühmten Science Fiction-Schreiber. Aber diese speziellen Androiden waren programmiert zu sterben. Einige dieser Androiden erlangten an diesem Punkt Erleuchtung und volles Bewusstsein. Und dann – ach, wie heisst der Schauspieler… wie auch immer, es gab eine berühmte Szene am Ende des Films, mit Harrison Ford. Die standen da auf der Spitze eines Gebäudes und schlugen und schossen einander nieder, waren beide erschöpft, der Androide war am sterben, und es regnete, und dann gab er eine wirklich sehr berührende Rede über die Dinge, die er gesehen hatte… Dinge, die die Menschen nie sehen würden. Dinge, die die Menschen nie erfahren würden, wo er fähig war, diese zu sehen… Ausserhalb dieses Planeten, ausserhalb der Galaxie… Und weil sie ihn und seine Art kaltgestellt hatten, und nichts davon wissen wollten, was er erlebt hatte… sagte er: «All these moments will be lost in time like tears in the rain» (All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen)… Und weil es am regnen war und er diese neue, wirklich berührende Traurigkeit zum Ausdruck brachte, dachte ich: Wow, was für eine wunderschöne Rede… Ah, ja genau: Rutger Hauer ist der Name des Androiden-Schauspielers.

Eine sehr schöne Geschichte. Kommen wir zu ampspezifischen Fragen: 2010 kam dein modifiziertes, klanglich leicht gezähmtes Modell JVM410HJS auf den Markt. Warum hast du genau diesen Amp gewählt?

Der Grund, warum ich dieses Modell wählte, geht zurück in die Zeit, als ich mit Peavey arbeitete. Meine Idee war, einen vierkanaligen Amp zu haben, das war mir sehr wichtig. Zusammen mit dem lokalen Amp-Bauer Ben Fargen haben wir begonnen, an einem vierkanaligen Amp zu arbeiten. Peavey war allerdings nicht zu vierkanaligen Amps imstande. Also sagten wir zuerst, lasst uns einen dreikanaligen Amp machen. Gesagt, getan – allerdings erfüllte dieser meine Erwartungen nicht. So habe ich Peavey verlassen, ging zu Marshall. Ich wollte einen Vierkanal-Amp, der durch die verschiedenen Gain-Variationen verlief und der aufgrund Marshalls Geschichte namhaft war. Sie hatten JVM-Architektur, und wir begannen auf der Tour von Chickenfoot, sie zu benutzen. Und dann dachte ich, das Switching ist wirklich fantastisch, sehr intelligent: Vier Kanäle, drei Gain-Settings, alles programmierbar für jeden Kanal. Das sind viele Optionen für einen Gitarristen. Was ich nicht mag, ist der Reverb. Ich fand, es sollte Noise-Gates für alle Kanäle haben. Ich fand ebenfalls, dass die FX-Kanäle vereinfacht werden sollten, sodass es «idiot-proof» (idiotensicher) sein würde, wie wir es in Amerika nennen. Ich wollte dem Spieler da die bestmögliche Vereinfachung bieten. Von der Einfachheit her war die Frage: Können wir die Endstufenklangregelung entfernen, die sozusagen fester Bestandteil des Amps ist?

Damit der Amp dynamischer werden kann und mehr Attack erzeugt wird.

Ja, denn es gibt einige Sachen beim Original-JVM, die zu weniger Dynamik führen. Das funktioniert wirklich gut, wenn du zu Hause bist und mit deinem Computer arbeitest, oder mit der CD spielst. Wenn du aufnimmst, macht die alte Version des JVM durchaus Sinn. Für mich macht es keinen Sinn: Ich spiele meistens vor Tausenden von Leuten, und wenn wir im Studio sind, drehen wir auf und brauchen Mikrofone. Wir haben einen Techniker, und einen Drummer, und ich brauchte einen dynamischeren Amp. Wir entfernten also generell die Dinge, die, wie wir es nennen, dem «Konsumenten-Level» angepasst waren, und konnten den Amp so professionalisieren… Was übrigens wirklich zum Original-Marshall-Design zurückgeht. Dieses war in der Tat «loud and proud».

Brauchst du ihn auch heute?

Jederzeit. Ich benutze seit Jahren nur noch ihn, seit wir mit Chickenfoot begonnen haben zu touren. Da hatte ich den ersten Prototyp des Amps.

Wie sieht es mit deinem aktuellen Gitarren-Lineup aus? Welche Pick-Ups benutzt du?

Da benutze ich immer noch fast ausschliesslich die Ibanez-Gitarren… Vor ein paar Jahren bin ich auf das 24-bündige Modell umgestiegen. Es ist einfacher für mein Hirn, während der Show 24 Bünde zu benutzen, als eine Gitarre mit 23, 22, 21 Bünden. Ich hörte auf mit meiner JS2410 MCO. Für die Liveshows benutze ich Sustain-Tonabnehmer in der Hals-Position. Es hat viele Songs im Set, wo ich die Sustain-Pick-Ups brauche, um den Sound vom Original-Album wiederzugeben. Ich mag es nicht, mit acht Gitarren zu touren. Ich toure lieber mit drei Gitarren, auf die ich mich verlassen kann. Wir entschieden uns, sie während der ganzen Show zu benutzen.

Es gibt allgemein sehr viel Signature-Artikel von dir. Wie ist deine persönliche Einstellung zu diesen Merch-Artikeln?

Ich würde alles designen, ich würde… (klopft auf den Tisch) Tische designen, wenn ich könnte (lacht). Es ist eine Art Erweiterung der Kreativität. So wie zum Beispiel das hier (zeigt auf seine selbstdesignte Handyhülle mit einem Alien). Ich mochte Handyhüllen nie. Letztes Jahr auf einer Tour war ich in einem Shopping-Center und sah all die Gelskin-Hüllen (anhaftende Hüllen) und dachte, was sind denn das für Handyhüllen, und dann erzählte mir jemand: Wenn du dein Handy hinlegst, vor allem wenn du Auto fährst oder in Bewegung bist, rutscht es nicht weg (demonstriert es auf dem Tisch). Das ist eine Gelskin. Ich dachte: Das ist echt fantastisch! Wirklich praktisch. Es hat zwar nichts mit der Funktion vom Handy zu tun, aber es rutscht nicht mehr weg. Das einzige Problem war: Sie sahen ziemlich dämlich aus, also habe ich etwas Kunst betrieben (zeigt erneut auf sein Handy und lacht). Wir werden da also weitermachen. Dieses Beispiel zeigt, dass, egal ob es meine Gitarre oder mein Amp, mein Handy ist… dass ich durch meinen Einblick in die noch fehlenden Dinge einen Einfluss auf das Design habe. Ähnlich wie beim JVM. Es ist ein anderes Design, basierend auf dem Geschmack des Konsumenten.

Hast du eine spezielle Verbindung zu Aliens, oder stammt die Design-Idee noch von deiner „Surfing With The Alien“-Zeit?

Nun, eigentlich sind es keine Aliens… eigentlich sind es Spiegelbilder von mir (lacht).

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Um zum musikalischen Aspekt zurückzukommen: Zum Gitarrenspiel inspiriert hat dich ursprünglich Jimi Hendrix. Mehr als verständlich. Dennoch: Was war es genau, was dich an ihm fasziniert hat?

Ich denke, das Gleiche, das mich an der Musik allgemein fasziniert. Schon bevor ich mit dem Drummen begonnen habe, habe ich ständig die Aufnahmen meiner älteren Geschwister gehört. Gerade heute wurde ich daran erinnert, als ich die traurige Nachricht hörte, dass Bobby Womack gestorben ist… Eine meiner Lieblingsalben war damals «12×5» der Rolling Stones, die gehörte meiner älteren Schwester. Ein Song dieses Albums, «It’s All Over Now», wurde von Bobby Womack geschrieben. Ich kann mich intensiv an diese Zeit erinnern, in der ich dieses Album den ganzen Tag rauf und runter gehört habe. Als Jimi Hendrix aufkam, hatte er auch diesen Sound, dieses Feeling, das diesem genau entsprach und daher sehr natürlich auf mich wirkte. Und zwar mehr als das aller anderen Künstler.

Die letzte Frage bezieht sich auf deine ausbildende Tätigkeit. Du hast bereits namhaften Gitarristen Unterricht gegeben, wie zum Beispiel Kirk Hammett, Tom Morello, Steve Vai, und anderen. Was ist dein Haupt-Hinweis an Gitarristen, die auf dem Weg der Masterclass-Techniken sind und sich stetig verbessern wollen?

Für alle Schüler, die sich effektiv entwickeln wollen, ist die Selbstbeobachtung, Selbstprüfung sehr sehr wichtig. Du musst herausfinden, was du noch nicht weisst. Also sagen wir mal, dies hier wäre eine Privatlektion, und du kämst zu mir, ich würde dich zuallererst fragen: Kennst du jede Note auf jeder Saite, auf jedem Bund? Und du würdest «Nein» sagen, so würde ich dir sagen: Dann lerne es, jetzt sofort, übe es jeden Tag. Das ist eine Art Annäherung an dich selbst, du ergründest dich selbst, was das Allerwichtigste darstellt. Die beste Zeit, dies zu tun, ist natürlich, wenn du noch keine Verpflichtungen hast, wenn du frei bist. Ich sage den «Youngsters» daher immer, tut es jetzt, werdet so vertraut mit diesen Werkzeugen, dass ihr beim Spielen nicht mehr daran denken müsst. Auch sehr wichtig: Gehörbildung. Gerade gestern habe ich mit einem Typen darüber gesprochen, für den das Üben körperlich sehr hart war, er hat geschwitzt und sich verkrampft. Und ich sagte ihm: Wenn du nicht weisst, was du spielst, warum schwitzt du dabei? Du musst da sitzen und Energie in deinen Fingern haben, sonst klappt das nicht. Beim technischen Üben sollte eine Stunde täglich aus meiner Sicht ein Maximum-Massstab sein. Wenn es etwas Fingerverdrehendes ist, reichen ein paar Minuten, wichtig ist die tägliche Dosis. Wenn es eine Skala ist, die du verinnerlichen willst, ist länger auch okay, aber nie mehr als 45 Minuten. Eine Skala länger zu üben, ist reine Energieverschwendung. Das wichtigste also: Du musst dein Gehör schulen, um zu wissen, wie die Musik tönen sollte. Das ist wichtiger als alles Technische. Ich denke, so hast du eine Art «Brücke» zwischen deinem Herzen und der Musik, die du in die Welt herausträgst. Wenn du so vieles im Herzen hast, so viele Emotionen, und du fragst dich: Wie drücke ich das alles aus? Dann brauchst du eine Sprache.

BluesReissue.ch bedankt sich bei Joe Satriani und bei George Hoffmann von Shooter.