Jan Delay, Tom Odell und The Pride am Stars in Town in Schaffhausen

Vier Tage lang war die Altstadt von Schaffhausen der Schauplatz des «Stars in Town» Festivals. Während am letzten Mittwoch noch eher rockigere Klänge von Krokus und Uriah Heep zu hören waren, stand der Freitag Abend im Zeichen des deutschen «Fusionisten» Jan Delay, der sich zu einem der Highlights des Festivals mauserte. Mit dem jungen Briten Tom Odell kam ein Künstler nach Schaffhausen, der längst kein Geheimtipp mehr ist, denn sein Können als Songwriter brachte ihm bereits den Vergleich mit Elton John ein – ein Ritterschlag.

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Langsam nähern wir uns dem Festivalgelände, welches im Herzen der Schaffhauser Altstadt liegt. «The Pride», die Lokalmatadoren des heutigen Abends, spielen in der Abendsonne, welche die Bühne in ein stimmungsvolles Licht rückt. Die vierköpfige Band um Tom Krailing hat zwischen 1984 und 1999 drei Alben veröffentlicht und war viel unterwegs. Für das «Stars in Town» Festival hat sich die Band erneut zusammengeschlossen und präsentiert sich solide als Support Act. In Anbetracht dieses Vermerkes im Programmheft, ist es, wie ich finde, eine nennenswerte Leistung.

Während ich mich mit dem Gelände vertraut mache, fällt mir die einfache Aufteilung auf: Kaum betritt man den Platz, ist dem aufmerksamen Besucher schnell klar, wo was zu finden ist. Das Festival ist gut besucht, trotzdem kann man sich relativ locker hin und her bewegen. Im Verlauf des Abends freue ich mich mehrfach darüber, nie lange vor den «Toi-Toi»-Toiletten warten zu müssen. Mir bedeuten solche Details ebenso viel wie die musikalische Rahmenbedingung.

Als Tom Odell angesagt wird, beben die vordersten Ränge. Der talentierte und blutjunge Engländer hat viele junge Menschen nach Schaffhausen gebracht: Der 23-jährige Musiker scheint zudem insbesondre eine ganze Fan-Schar von jungen Frauen zu haben. Gut gelaunt und etwas hormonell, empfangen die jungen Damen ihren Schwarm. Aber auch die älteren Konzertbesucherinnen und Konzertbesucher gehen mit der Musik des Newcomers auf Reisen in die Vergangenheit: Am Piano huldigt Odell dem Superstar Elton John, mit welchem der Nachwuchsstar bereits verglichen wird. Eine tolle Performance und ein Versprechen auf noch viel mehr.

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Während die Bühne für Jan Delay und seine charismatische Band «Disko No. 1» umgebaut wird, steigt die Spannung ins Unermessliche an. Der deutsche Musiker versteht es, als Fusionist immer wieder zu begeistern, und mischt Rock-Elemente unverblühmt mit Funk, Soul, Reggae und Hip Hop. Ich bin im ganzen Umfang des Wortes ein «alter» Fan vom heute 37-jährigen Musiker, der den nasalen Gesang in den deutschen Gefilden salonfähig gemacht hat.

Jan Delay überzeugt mich mit seinem Wortwitz, mit seiner «Frechheit» und seiner Strassenpoesie restlos. Er beginnt dem Publikum «Liebe» aus dem Album «Hammer und Michel» durch die Venen zu pumpen. Das Publikum ist schnell angetan von der Performance. Es ist ganz klar, wer heute der Stern in der Stadt ist. Jan Delay kam, sah und siegte. Recht so. Seine Darbietung spricht für sich, denn er ist eben nicht nur ein versierter Musiker, sondern eben auch ein charismatischer Entertainer.

Jan Delay und seine eingeschworene Truppe spielen neben den Songs aus eigener Feder auch interessant arrangierte Rock-Klassiker wie etwa «Paradise City» von Guns ’N Roses. Diese sind zusammen mit den kurzen Retrospektiven in die eigenen, älteren Alben sehr erfrischend. Zugaben werden lautstark und unmissverständlich eingefordert: Jan Delay und seine «Disko No. 1» verstehen diese Sprache und belohnen das Publikum reichlich.

Ein gelungener Abend an einem bezaubernd organisierten Festival neigt sich dem Ende zu. Schöne Eindrücke werden zu schönen Erinnerungen.

Konzertfotos

Alle Fotos von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch

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