Die Endstation naht: Die Henrik Freischlader Band auf ihrer Abschiedstournee in der Schweiz

Die Henrik Freischlader Band kündigte im Frühjahr an, dass sie sich nach einer Club-Tournee von 18 Konzerten im Herbst auflösen wird. Auf der „Night Train To Budapest“- Farewell Tour machten sie am Freitag einen Zwischenhalt im «Mini Z-7» in Pratteln. Die anwesenden Konzertbesucher erlebten noch einmal eine ausgiebige, unterhaltsame und musikalisch unnachahmliche Show. Und Henrik Freischlader stellte dem Schweizer Publikum zum ersten Mal „seine“ Neuentdeckung vor.

Henrik Freischlader in Pratteln. Foto von Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Henrik Freischlader in Pratteln. Foto von Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Ein niedrig eingestelltes Mikrofon steht in der Mitte der Bühne, als Henrik Freischlader kurz nach 20.30 Uhr die italienische Folk- und Bluessängerin Linda Sutti ankündigt. Er schwärmt von der Songwriterin, die er auf Sardinien kennenlernte. Zwischen Sutti und Freischlader entstand im Anschluss eine Zusammenarbeit, aus der schliesslich das Debütalbum „Wild Skies“ resultierte, welches am 17. Oktober unter Cable Car Records erschien.

Linda Sutti und ihre Akustik-Gitarre: Die Stimme der in Piacenza geborenen Songwriterin erinnert bereits nach wenigen Takten an eine Mischung zwischen der bermudischen Musikerin Heather Nova und der englischen Folk-Sängerin Laura Marling. Songs wie „Silence“ lassen die Besucher abtauchen, sie geben eine erste Einsicht in das Schaffen der italienischen Musikerin. Der Solo-Auftritt von Linda Sutti ist ein geradezu heftiger Schnitt, aber durchaus ein interessanter Auftakt in diesen besonderen Konzertabend, welcher dann im weiteren Verlauf doch sehr stark von der Stromgitarren-Gewalt eines Henrik Freischladers geprägt wird. Ein gelungener Kontrast!

Nach einer kurzen Pause kommen Henrik Freischlader und seine langjährigen Gefährten Moritz Fuhrhop (am Piano und der Hammond) und Theofilos Fotiadis (am Bass) sowie ein weiterer alter Bekannter Freischladers, der Schlagzeuger Dirk Sengotta, auf die Bühne. Das Quartett legt gleich los mit „A Better Man“ aus dem aktuellen Album „Night Train To Budapest“.

Auf einer Farewell-Tour darf man sich gerne auch mal in Selbstreflexion üben: So scherzt Freischlader mit dem Publikum, man möge ihm seine unbeholfenen Textzeilen in Songs wie „Disappointed Woman“ verzeihen. Bedenkt man, dass Freischlader diese Songs im Alter von 16 Jahren geschrieben hat, verdient alleine diese Tatsache gehörig Respekt. „Der Solo-Teil kann aber gut werden“, fügt der deutsche Ausnahmegitarrist an. Und er wurde es auch.

Es fällt Freischlader leicht, mit seinem Schalk und Charme die Konzertbesucher innerhalb kürzester Zeit für sich zu gewinnen: Er animiert das Publikum kurzerhand auch dazu, ihm bei einer Rap-Einlage zur Seite zu stehen und mitzubouncen. Es hört sich fast schon spielerisch einfach an, wie Freischlader genreübergreifende Brücken schlägt. Vor dieser unglaublichen Freude an der Musik, dieser Art und Weise, wie Freischlader mit dem Publikum umgeht und gleichzeitig dann noch vor seiner musikalischen, fast schon unheimlichen Bandbreite, die er an den Tag legt, darf man sich gerne verneigen. Nicht zu vergessen ist dabei die Band, die dem gebürtigen Wuppertaler den nötigen Boden und Teppich zur Entfaltung und Improvisation bietet.

Viel Gitarrenzauber und ruhige Zwischenspiele bei „Cry Again“, welches dem Publikum ganz schön in die Knochen geht. Dasselbe gilt für das wuchtige und stimmungsvolle Intro zu „What’s My Motherfuckin’ Name“, bei welchem Moritz Fuhrhop seiner Rhodes einiges abverlangt.

Moritz Fuhrhop in Pratteln. Foto von Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Moritz Fuhrhop in Pratteln. Foto von Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Nach dem Hauptset, welches schon alleine rund 2 Stunden dauerte, kommt die Henrik Freischlader Band zusammen mit Linda Sutti auf die Bühne und spielt gemeinsam ihr Song „Down on the Road“ von ihrem aktuellen Album. Von der HFB begleitet, hört sich das Material von Linda Sutti kräftiger an, aber dies mindert nicht etwa die Verspieltheit ihrer Kompositionen. Nach ihrem kurzen Gastspiel überlässt die Italienerin der Henrik Freischlader Band wieder die Bühne.

Nicht genug loben kann man bei der Henrik Freischlader Band vor allem aber die Varietät und Vielfalt – denn obwohl massgeblich durch sie beeinflusst, hat sich Freischlader nie einfach der Soundphilosophie eines Gary Moore oder Jimi Hendrix angenommen und diese kopiert, sondern kreierte über die Jahre hinweg ein Repetoire voller kompromisslosen Rock-Nummern, aufreibenden Blues-Songs und interessanten Crossover-Titeln, die grundsätzlich immer mit viel Tiefe überzeugen.

Diese Live-Performance sollten die Konzertbesucher auf jeden Fall noch eine Weile lang im Gehör behalten, denn jetzt folgt für Henrik Freischlader und seine Band vor allem eine Zeit, in der sie sich von den turbulenten 10 Jahren auf Tour erholen können.

Denkt man aber an Henrik Freischlader und dessen geballte Kraft und an seine Leidenschaft, so werden sich die Mechaniken an seinen Gitarren wohl trotzdem nicht ganz in Luft auflösen. Henrik, wir wünschen Dir alles Gute und weiterhin beste Gesundheit für die Zukunft!

Weiterführend

www.henrikfreischlader.de
www.facebook.com/LindaSuttiOfficial
www.cablecarrecords.com
www.florencemilleragency.com

Konzertbilder 

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch