Lucky Peterson, der «Son Of A Bluesman» am jazznojazz-Festival

Letzten Mittwoch, dem 29. Oktober startete die 16. Ausgabe des «jazznojazz»-Festivals in Zürich. In Zusammenarbeit mit der ewz und der Zürcher Kantonalbank organisiert die AllBlues Konzert GmbH auch dieses Jahr wieder 19 Konzerte in der Gessnerallee Zürich, im ewz-Unterwerk Selnau und im Theater der Künste. Zum Auftakt spielte neben Al Di Meola (Gessnerallee) auch der begnadete Blues-Musiker Lucky Peterson (ewz-Unterwerk Selnau). Er wusste mit seiner einnehmenden Art und Weise zu überzeugen – musste aber zeitweise den Draht ins Publikum suchen.

Titelbild

Lucky Peterson im ewz-Unterwerk Selnau. Foto von Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Lucky Peterson, der bereits im Alter von fünf Jahren die Welt der Musik kennenlernte und mit der Chicago-Blues-Legende Willie Dixon eine Single aufnahm, steht zu Beginn des Konzertabends noch nicht auf der Bühne. Seine akkurate und eingespielte Begleitband, angeführt von Gitarrist Shawn Kellerman aus dem kanadischen Waterloo, Ontario, eröffnet das Konzert furios. Kellerman rief die „Boogie Time“ aus und spielt schon früh zu einem elektrisierenden Gitarrensolo auf.

Nach rund vier, fünf Minuten kündigt er dann den Blues-Meister aus Dallas, Texas an, der sich dann schliesslich gleich an der Hammond Organ betätigt. Mit «Funky Broadway» aus seinem aktuellen Album «Son Of A Bluesman» startet Peterson, dem man als Besucher schnell anmerkt, dass dieser zu der Sorte Musiker gehört, die sich von der Stimmung im Saal treiben lässt.

Um das Feuer zu entfachen, versucht sich Peterson mit «I Can See Clearly Now», einem Uptempo-Titel aus dem aktuellen Album, der kurzzeitig zu abrupten Wechseln führt. Anschliessend zeigt Peterson viel Gefühl für gute Unterhaltung, und zaubert auf seiner Roland RD 700 ein ungewöhnliches, aber kreatives Zwischenspiel herbei. Er ahmt auf den Keys eine menschliche Stimme nach, welcher er gesanglich in einer Call-and-Response-Nummer gleich selbst antwortet. Grosses Kino!

Der aus Buffalo, New York stammende Multiinstrumentalist spielt die meisten Nummern auf seinen Keys und der Hammond B3, nur zweimal lässt sich Peterson dazu reissen, die Gitarre umzuhängen. Im Verlauf des Sets merkt man Peterson an, dass ihm etwas fehlt. Er versucht sich deshalb bei «I’m Still Here» von seiner ruhigen Seite zu zeigen, wo er schon fast mustergültig mit der Dynamik und der Lautstärke arbeitet. Auch Gitarrist Kellerman bringt vorzügliche Solo-Passagen in den Song ein.

Peterson scheint dem Publikum auf der Bühne im Saal des ewz-Unterwerks Selnau aber nicht nahe genug zu sein, so beschliesst er kurzerhand, einen Ausflug ins Publikum zu wagen. Der US-amerikanische Blues-Meister gelangt fast bis zuhinterst in die Halle, bittet dann auf seinem Rückweg um einen Stuhl, auf welchen er sich niederlässt und weitersoliert. Unglücklicherweise ist Peterson so bei seinem fast endlosen Solo für die meisten Konzertbesucher für eine Weile nicht zu sehen.

«We play the blues.. is it okay?» Wieder zurück auf der Bühne, haut die Band dem Publikum ein paar interessiert arrangierte Klassiker wie «Johnny Be Goode», «I Got A Woman» oder «I Got My Mojo Workin’» um die Ohren. Nach einigen Zwischenspielen, bei welchen Bassist Timothy Lee Waites und Schlagzeuger Raul Valdes jeweils abwechslungsweise ihr Können unter Beweis stellen, nimmt Peterson schliesslich noch seine silbrige Dobro-Gitarre in die Hand und spielt in Manier der alten Blues-Helden faszinieriende Fingerpicking-Licks.

Stellenweise etwas suchend nach der richtigen Resonanz im Publikum, wirkt Peterson aber souverän, stimmlich spontan und variabel, feinfühlig und erdig. Er führte die Konzertbesucher durch die Welt der Subkulturen vom Blues – und zeigte dabei Seele und viel von der Eigenmarke Peterson. Seine Ehefrau Tamara, welche bei einigen Auftritten auf seiner Tour mitwirkte, stand in Zürich aber nicht auf der Bühne.

Weiterführend

www.jazznojazz.ch
www.allblues.ch

Konzertbilder

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch