Carlos Santana: Latin Rock mit Herzblut am Montreux Jazz Festival

Montreux. Am 49. Montreux Jazz Festival trat letzten Dienstag kein Geringerer als Carlos Santana auf. Wer denkt, dies sei eine Premiere, hat weit gefehlt: Bereits zum 13. Mal war der Gitarren-Meister und langjährige Freund von Claude Nobs hier zu Gast, das letzte Mal vor vier Jahren. Wie bereits damals trat Santana am Dienstag im ausverkauften Stravinski Audiotirum mit dem Jazz-Gitarristen John Mc Laughlin auf.

Carlos Santana. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Carlos Santana. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Es ist ein schwüler Sommerabend, die Leute wirren durch die Gebäude des Montreux Jazz Festival und schlendern die Riviera des Genfersees entlang. Das Konzert des Gitarrenmeisters Carlos Santana ist eine halbe Stunde vor Beginn ausverkauft. Vor dem Auftritt von Santana wird das Stravinski Auditorium allerdings ordentlich mit der bluesdurchtränkten Musik der afrikanischen Band Songhoi Blues eingeheizt, welche eine mediterrane Stimmung in den Saal brachte.

Fünfzehn Minuten Pause, ein Trommelwirbel ertönt. Ein junger Carlos Santana mit einer feurig roten Gibson SG: Nostalgische Bilder des Woodstock-Festivals im Jahre 1969 erscheinen auf den zwei riesigen Displays neben der Bühne und verzaubern den Stravinski-Saal mit einer Stimmung aus einer früheren Zeit.

Bei Konzerten von Santana ist dies quasi Tradition – der 68-jährige US-Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln brachte den Latin Rock ans Woodstock-Festival und erlangte dadurch einen unglaublichen internationalen Bekanntheitsgrad. In seiner fast 40-jährigen Karriere hat er fast genauso viele Studioalben veröffentlicht und steht auch heute noch aufrecht und mit Herzblut auf der Bühne.

Mit von der Partie in Santanas Reihen ist heute eine ganze Musikerschar, welche dem Sound von Santana zu noch mehr Authentizität verhilft. Die insgesamt elf Musiker lassen den Sound in seiner vollsten Pracht erstrahlen, wobei sich die zwei Sänger Andy Vargas und Tony Lindsay jeweils mit ihren unterschiedlichen Stimmen abwechseln.

Carlos Santana. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Carlos Santana. Foto: Roland Kämpfer (www.orlandipix.ch)

Der Meister an der Lead-Gitarre wird von Rhythmusgitarrist Tommy Anthony begleitet, Bassist und Musikdirektor Benny Rietveld bietet eine solide Basis und ergänzt sich mit Drummer Pepe Jimenez, Paoli Mejias an den Congas und Karl Perazzo an den Timbales zu einer hinreissenden Rhythmussektion. Mit Bill Ortiz an der Trompete und Jeff Cressman an der Posaune ist das Bläserpaar gegeben, die Keyboards spielt Dave Mathews.

So wird dem Publikum heute ein mit ausführlichen Jams vollbepacktes Konzert geboten. Auf das Publikum – nach Standard etwas älter – färbt die Stimmung spätestens ab dem Klassiker aus 1999 „Maria Maria“ ab: Der Flow ist da und wird vor allem durch das Spielen anderer Klassiker wie bespielsweise „Corazón Espinado“, welches wie „Maria Maria“ auf Santanas erfolgreichsten Platte „Supernatural“ zu hören ist, gehalten. Hier lässt Santana gezielt Flageoletts-Töne einfliessen und zeigt sein Können im Slide-Gitarrenspiel. Santana ist mit Herzblut dabei und geniesst seinen Auftritt mit seinen Mitmusikern offensichtlich. Letztes Jahr im Frühling ist Santanas erstes reines Latin-Album „Corazón“ erschienen: Auch hieraus haben Santana und Co. einige Songs zum Besten gegeben, denen das dynamischen Musikergefüge gerecht wurde.

Im letzten Drittel kündigt Santana einen speziellen Gast an: Jazz-Gitarrist John My Laughlin betritt die Bühne, der Applaus ist gross. Bereits 2011 haben Santana und John Mc Laughlin auf der Bühne im Straviski Auditorium gestanden und ihr gemeinsames Album „Love, Devotion, Surrender“ aus dem Jahre 1973 zelebriert. Die beiden gaben ein Fusion-Jazz-Spiel der Extraklasse.

„We are them now“ (“Wir sind sie, heute”), sagt Santana in einer seiner Ansprachen zwischen den Songs, nachdem er die Woodstock-Zeit ansprach und so die Erinnerungen des Publikums hochkommen lässt. Auch über John Lennon spricht er, bevor er zu John dessen Song „Imagine“ übergeht. Ein energiegeladenes Konzert mit Höchstqualität geht schliesslich mit „Black Magic Woman“ zu Ende.

Weiterführend:

www.montreuxjazzfestival.ch

www.santana.com

Konzertbilder

von Roland Kämpfer, www.orlandipix.ch